
Sonntag, halb zwölf. Nach dem Gottesdienst stehen die Familien beieinander, man verabredet sich zum Mittagessen, die Kinder rennen zwischen den Stuhlreihen. Und du stehst mit deiner Tasse da und überlegst, ob du noch bleibst.
Gemeinde ist der Ort, an dem du zu Hause sein solltest. Für viele Singles ist sie genau der Ort, an dem sie am deutlichsten spüren, dass sie nicht ins Bild passen.
Kaum eine Gemeinde will Singles ausschliessen. Trotzdem passiert es – durch die Struktur. Der Kalender heisst Familiengottesdienst, Ehe-Seminar, Kinderwoche. Die Predigt nimmt Beispiele aus dem Familienalltag. Die Hauskreise sortieren sich nach Lebensphase, und die Lebensphase heisst meistens: Paar mit Kindern.
Nichts davon ist böse gemeint. Aber wenn dein Leben in keinem Programmpunkt vorkommt, bekommst du Sonntag für Sonntag eine leise Botschaft: Das Eigentliche findet woanders statt. Diese Botschaft ist falsch – und trotzdem wirkt sie.
«Der Richtige kommt schon noch.» «Hast du schon mal an XY gedacht?» «Geniess doch deine Freiheit, solange du sie hast.» Dahinter steckt fast immer Zuneigung und fast nie böse Absicht.
Trotzdem tun sie weh, weil sie dein Leben zu einem Wartezimmer erklären. Du darfst freundlich antworten und trotzdem eine Grenze ziehen: «Ich weiss, das ist lieb gemeint. Mir hilft es mehr, wenn du mich fragst, wie es mir gerade wirklich geht.» Wem das schwerfällt, weil er es allen recht machen will, findet in Menschenfurcht überwinden einen guten Anfang.
Der Leib Christi wird nicht nach Familienstand sortiert. Paulus beschreibt eine Gemeinschaft, in der jedes Glied gebraucht wird – und zwar nicht trotz seiner Eigenart, sondern wegen ihr.
«Der Leib besteht nicht aus einem Glied, sondern aus vielen.»
1. Korinther 12,14
Dazu kommt: Die zentralen Gestalten der Bibel waren über weite Strecken allein. Paulus war unverheiratet, Jesus auch. Wer daraus ableitet, Singles seien in der Gemeinde ein Sonderfall, hat das Neue Testament nicht sehr genau gelesen. Wie sich das im Alltag anfühlen kann, zeigt Singles in der Bibel: Elia.
Warten, bis die Gemeinde etwas anbietet, führt selten weiter. Wirksamer ist, den eigenen Platz aktiv zu besetzen:
Ein Wort zur Vorsicht: In vielen Gemeinden gelten Singles als die, die «ja Zeit haben». Der Küchendienst, die Kinderhüte, der Auf- und Abbau – vieles landet wie selbstverständlich bei denen ohne Familie. Es ist gut, zu dienen. Aber du darfst auswählen und du darfst Nein sagen. Zugehörigkeit, die du dir durch ständige Verfügbarkeit erkaufst, trägt nicht lange.
Manchmal liegt es nicht an dir. Es gibt Gemeinden, in denen Singles auf Dauer keinen Platz finden, weil das Familienbild alles überstrahlt. Dann ist die Frage erlaubt, ob du am richtigen Ort bist – nicht als Flucht, sondern als nüchterne Entscheidung.
Und pass auf, dass du dich nicht ins Alleinsein zurückziehst. Wer sich Sonntag für Sonntag ein bisschen weiter herausnimmt, merkt oft erst spät, wie einsam es geworden ist. Was der Seele in solchen Phasen guttut, steht in Selbstfürsorge: Fitness für die Seele.
Deine Zugehörigkeit hängt nicht an deinem Beziehungsstatus. Sie hängt daran, dass du dazugehörst – und das darfst du dir nehmen, auch wenn das Programm gerade nicht für dich gemacht ist. Such dir eine Aufgabe, lade ein, sag ehrlich, was fehlt. Vieles verändert sich schon dadurch, dass einer anfängt.
Du möchtest Menschen kennenlernen, die deinen Glauben teilen? Starte deine christliche Partnersuche auf Chringles.